Eine Beobachtung zu Ordnung und Überlagerung im Produktdschungel

Dicht ohne Ordnung

Viele REWE-Märkte wirken heute sehr dicht. Nicht im Sinne von kompakt, sondern im Sinne von überlagert. Unterschiedliche Konzepte, Partnerschaften und Sortimentslogiken stehen nebeneinander, ohne dass eine klare Grundordnung sie zusammenhält.

Das Ergebnis erinnert weniger an einen bewusst kuratierten Markt, sondern eher an eine addierte Struktur. Fast wie ein moderner Tante-Emma-Laden oder ein Discounter aus den 80ern. Nicht ästhetisch, sondern strukturell. Alles ist da, alles ist wichtig, alles will gesehen werden.

Aus SIGNALGRADE™-Sicht ist das kein Designproblem. Es ist ein Hierarchieproblem. Wenn zu viele Ebenen gleichzeitig sprechen, verliert das System seine Führung.

U R Not Alone

Diese Dynamik ist nicht neu. Auch andere Handelsketten haben ähnliche Phasen durchlaufen.

Tesco hatte in den 2010er-Jahren mit einer sehr ähnlichen Situation zu kämpfen. Zu viele Formate, zu viele Subkonzepte, zu viele lokale Anpassungen. Interne Analysen sprachen damals von einer Überinszenierung ohne Navigation. Erst durch eine klare Reduktion von Aktionsflächen und eine stärkere Hierarchisierung der Märkte kam wieder Orientierung zurück.

Auch EDEKA zeigt ein verwandtes Muster, wenn auch aus anderen Gründen. Durch die starke Autonomie der Marktleiter entstehen sehr unterschiedliche Markterlebnisse. Manche Märkte wirken hervorragend sortiert, andere deutlich überladen. Freiheit erzeugt Varianz. Ohne verbindende Ordnung wird sie schwer steuerbar.

REWE liegt zwischen diesen Polen. Konzeptionell ambitioniert, strukturell aber stark geschichtet.

Wenn Signale sich überlagern

Das eigentliche Problem ist nicht die Vielzahl der Angebote. Es ist ihre Gleichzeitigkeit. Jede Fläche hat ihre Berechtigung, ihre Kennzahlen, ihre Zielsetzung. Doch ohne klare Priorisierung entsteht kein Gesamtbild.

Aus SIGNALGRADE-Perspektive lässt sich das so zusammenfassen: Viele Signale, aber kein führendes. Wenn alles wichtig ist, wird nichts führend. Bedeutung entsteht nicht durch Addition, sondern durch Einordnung.

Dieser Case ist kein Handelsproblem. Er ist ein Organisationsproblem. Er zeigt, was passiert, wenn gute Initiativen nebeneinander gestellt werden, ohne sie in eine gemeinsame Ordnung zu überführen.

Das betrifft nicht nur Supermärkte. Sondern auch Unternehmen, Plattformen, Institutionen, Teams. Überall dort, wo neue Themen, Projekte und Partnerschaften hinzukommen, ohne dass alte weichen oder neu eingeordnet werden.

Nicht das Mehr erzeugt Wirkung. Sondern die Führung im System.

Resonant Insight

REWE zeigt: Wenn zu viele Dinge gleichzeitig sprechen, verliert das System seine Stimme.

Wirkung entsteht nicht durch Addition, sondern durch Ordnung.

Domenico Aprea

Gründer von RESONATE STUDIO

Wo überlagert sich deine Organisation?

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